Trauer-Weg-Blog

Meine persönliche Reise zurück ins Leben

Blick zurück

Es ist bereits wieder Dezember. Unglaublich, wie schnell dieses völlig verrückte Jahr vergangen ist. Um mich herum kommen die Menschen in Weihnachtstimmung. Sie schmücken ihre Häuser, besorgen Geschenke oder verbringen Zeit mit ihren Liebsten. Normalerweise würde ich meine Adventszeit mit ähnlichen Aktivitäten gestalten. Doch dieses Jahr ist alles anders, denn 2021 war definitiv kein «normales» Jahr für mich.

Sonnenuntergang an der Costa Adeje

Momentan empfinde ich absolut keine weihnachtliche Vorfreude. Zwar sind auch in Teneriffa die Dörfer und Städte mit vielen bunten Lichtern geschmückt, doch Adventsstimmung kommt bei mir nicht auf. Vielleicht liegt es daran, dass auf den Kanaren immer noch frühlingshafte Temperaturen herrschen. Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass ich durch Vadims Tod mein Zeitgefühl komplett verloren und bis jetzt auch nicht wieder zurückerlangt habe. Jedenfalls habe ich dieses Jahr keine Lust auf Weihnachten. Deshalb habe ich für mich beschlossen, die Festtage dieses Jahr ausfallen zu lassen.

Dafür nutze ich die letzten Tage des Jahres, um meine persönliche Achterbahnfahrt der vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen. 2021 war für mich ein extrem intensives Jahr, welches mich durch die tiefsten Täler, aber auch auf die höchsten Gipfel geführt hatte. Wenn ich zurückschaue, sehe ich unzählige Momente voller Trauer und Schmerz und noch viel mehr Augenblicke voller Lebensfreude und Leichtigkeit, ich sehe Stunden der Verzweiflung und Hilflosigkeit, aber auch Momente der Hoffnung und Lebendigkeit. Aber vor allem sehe ich eine unglaubliche Verwandlung, die ich durchleben durfte und die gleichzeitig immer noch anhält.
Im vergangenen Winter war ich eine junge Frau, die keine Ahnung hatte, was sie eigentlich vom Leben wollte. Ich versuchte damals mit allen Mitteln mein Leben zu kontrollieren, machte mir pausenlos Sorgen um die Zukunft und war ständig mit mir selbst oder irgendeinem Umstand in meiner Umwelt unzufrieden. Der Wirbelsturm, der mein Leben im Frühling 2021 erfasste, entriss mir jegliche Kontrolle, zeigte mir wie sehr ich in einer Schein-Sicherheit gelebt hatte und hinterliess ein riesiges Chaos. Die anschliessenden Aufräumarbeiten waren oft schmerzhaft, denn ich musste mich mit den Trümmerteilen meines alten Lebens auseinandersetzen. Doch nur dank diesem Wirbelsturm sind die alten Strukturen überhaupt erst aufgebrochen, so dass ich die Gelegenheit hatte, bewusst zu entscheiden, was noch in mein Leben gehört und was längst ausgedient hatte. So absurd es für Aussenstehende vielleicht klingen mag, ich spüre jeden Tag mehr Dankbarkeit für diesen Transformationsprozess, welcher der Wirbelsturm angestossen hat. Ohne dieses Chaos hätte ich mich nie getraut meine Komfortzone zu verlassen und mein Leben so grundlegend zu verändern. Dabei möchte ich klarstellen, dass ich immer noch traurig bin, dass Vadim physisch nicht mehr an meiner Seite ist. Gleichzeitig bin ich aber dankbar für den Weg, den ich seit Vadims Tod gehen darf, denn dieses einschneidende Erlebnis war für mich der Startpunkt für ein völlig neues Leben. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich meistens eine strahlende, zufriedene, lebenslustige Frau, die sich auf den neuen Tag freut, weil sie schon ganz neugierig ist, wohin der Lebensfluss sie heute treibt. Diese Version meiner Selbst mag ich sehr, weil sie sich über die kleinen Dinge freuen kann, das Leben schätzt und im Urvertrauen ist, dass sie für jede noch so schwierige Herausforderung eine für sie passende Lösung finden wird. Und so bin ich auch ein bisschen stolz darauf, dass es mir gelungen ist mit Mut, Durchhaltewillen, lieben Menschen in meinem Umfeld und verschiedenen Tools einen Weg zu finden, mich meiner eigenen Dunkelheit zu stellen und für mich wieder einen Lebenssinn zu finden.

Dieser anhaltende Transformationsprozess ist aber alles andere als einfach. Oft ist der Pfad durch die Trauerlandschaft steinig und verschlungen. Deshalb hatte ich mir in den vergangenen Monaten immer wieder einen Guide gewünscht, der mir einen Weg durch die dunklen Täler der Trauer weist. Jemand der mir aufzeigt, wie ich mein Gefühlschaos konkret verarbeiten kann oder der mir sagt, dass mein Umgang mit der Trauer völlig okay ist, weil es mein ganz persönlicher Prozess ist und auch sein darf.

Sandstrand Las Teresitas
Human Design Chart
Weihnachtsdekoration in Santa Cruz

Mittlerweile habe ich Werkzeug gefunden, welches genau diese Wegweiserfunktion übernehmen kann: Human Design. Dieses Tool ist eine Synthese aus vier alten Weisheitslehren. Dabei entsteht eine Chart (oben abgebildet), welche uns dabei helfen kann, unsere eigene Energie besser zu verstehen und im Einklang mit ihr zu leben. Mich fasziniert Human Design, weil es mir (mit meinem aktuell noch oberflächlichen Wissen) bereits an verschiedenen Beispielen meines Trauerprozesses verdeutlicht hat, warum ich in gewissen Situationen auf eine bestimmte Art und Weise reagiert hatte. Dank Human Design wurde mir auch klar, welche Reaktionen mich in der Trauerverarbeitung weitergebracht haben und welche Verhaltensweisen für meinen persönlichen Trauerweg kontraproduktiv waren. Da ich noch mehr in die Magie von Human Design eintauchen möchte, absolviere ich aktuell die Ausbildung zum Holistic Human Design Coach. Ich freue mich riesig auf diese Wissensreise und aufs Eintauchen in mein eigenes energetisches Design. Mein Fokus liegt dabei nicht nur auf dem Entdecken meiner eigenen Grundenergie, sondern vor allem auch auf der bewussten Trauer-Verarbeitung mit Hilfe von Human Design. Ich bin mir nämlich sicher, dass Human Design sowohl beim Zurückblicken und Verarbeiten als auch beim Nachvorneblicken und Neuausrichten helfen kann.

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