Trauer-Weg-Blog

Meine persönliche Reise zurück ins Leben

Die Trauer, meine Mitmenschen und ich

"Soll ich Mirjam fragen, wie es ihr geht?"
"Darf ich das sagen, oder erinnert sie das an Vadim?"
"Ich sage besser nichts, ich will die Wunde nicht wieder aufreisen."
" Darf ich Vadims Namen überhaupt noch sagen?"

Solche Sätze stehe meinen Mitmenschen momentan häufig ins Gesicht geschrieben, wenn sie mit mir zu tun haben. Und ganz ehrlich, mir wäre es bis vor ein paar Monaten wohl ähnlich ergangen.
Heute kann ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen, was ich in Zukunft anders machen werde, wenn ich mit einem trauernden Menschen zu tun habe.

Herz aus roten Rosenblättern auf blauem Hintergrund

Ich persönlich bevorzuge es, wenn mich Menschen direkt auf meine Verlust ansprechen. Dann habe ich die Möglichkeit zu entscheiden, wie viel ich im Moment preisgeben möchte. Bitte sei nicht überrascht, wenn ich meine aktuelle Gefühlslage nicht in ein einfaches "Geht schon", sondern eher in einen kurzern Roman verpacke ;-)

Eine andere Taktik meiner Mitmenschen ist es, einfach so zu tun, als wäre nie etwas gewesen. Für die Menschen um mich herum scheint diese Taktik aufzugehen. Für mich funktioniert sie leider nicht, denn auch nach zwei Monaten ist es für mich immer noch die bittere Realität, dass Vadim nie wieder kommen wird. Dieses Verhalten versetzt mir jeweils einen Stich ins Herz und macht diese schwierige Situation für mich noch schmerzhafter.
In meiner Welt ist "Verdrängen" keine Option. Ich habe zu viele wunderschöne Momente mit Vadim erleben und so viele wunderbare Dinge von ihm lernen dürfen, die ich mit Stolz in mir weitertrage. Und gerade deshalb freue ich mich immer, wenn ich Vadims Namen höre. Es stimmt, wenn du mir etwas von Vadim erzählst, kann es gut sein, dass in meinen Augen ein paar Tränen glitzern. Du hast mich dann nicht verletzt oder eine Wunde aufgerissen, sondern du zeigst mir, dass Vadim immer noch ein Teil deiner Welt ist. In meinen Augen glitzern dann Tränen der Dankbarkeit und der liebevollen Erinnerung. Zudem liebe ich es Geschichten aus Vadims Leben zu hören, insbesondere wenn es Storys sind, die ich noch nicht kenne.

Eine weitere Taktik meiner Mitmenschen ist es, mir Hilfe anzubieten. Ich schätze es sehr, wie viele Menschen in meinem Umfeld in den letzten Wochen für mich da waren und mich unterstützen. Die Schwierigkeit besteht für mich darin, dass es meistens heisst; "Melde dich, wenn du etwas brauchst!" Dieser Satz zeigt mir zwar, dass ich von meinem Umfeld getragen werde, was ein wunderbares Gefühl ist. Gleichzeitig bin ich mit diesem Satz überfordert, denn momentan weiss ich gerade überhaupt nicht, was ich brauche. Deswegen kann ich mich auch nicht melden. Und in einem Moment, indem die Trauer mich überrollt zum Telefonhörer zu greifen und jemanden anzurufen, ist für mich unmöglich. Zu gross ist meine Angst, den anderen zu belästigen, zu überfordern oder schlicht und einfach nicht zu wissen, was ich erzählen soll, weil ich meine Gefühle gerade nicht in Worte fassen kann...
Deshalb mein Tipp: Wenn ihr einer trauernden Person helfen möchtet, bietet eine konkrete Hilfestellung an. Ladet den anderen zum Beispiel zu einem Spaziergang, einem gemeinsamen Essen oder einem Spieleabend ein. Frische Luft, gesundes Essen und gemeinsam Lachen wirken zumindest bei mir wie kleine Wundermittel. Und am besten gebt ihr auch gleich Terminvorschläge durch, denn Entscheidungen treffen fällt in der Trauer noch schwerer als sonst.

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