Trauer-Weg-Blog

Meine persönliche Reise zurück ins Leben

Ein (fast) perfekter Tag

Vor einigen Tagen durfte ich einen perfekten Tag erleben. Ich genoss diesen Tag riesig, doch irgendwann spührte ich den nur zu bekannten Stich im Herzen. Mein Glück kann ich jetzt nicht mehr mit Vadim teilen und das fühlt sich noch immer schmerzhaft an.

Mein Tag startete am Morgen mit der Fütterung und dem anschliessenden Freilauf der Huskies. Ich liebe es, um diese Uhrzeit im Zwinger zu sein, weil die Hunde dann in kleinen Gruppen voller Begeisterung im Freilauf-Gehege herumtollen oder sich streicheln und knuddeln lassen.

Blumen in Lulea

Später fuhr ich ins rund 150 km entfernte Luleå, um einen neuen Helfer vom Flughafen abzuholen. Ich genoss es in vollen Zügen mutterseelenalleine auf den schwedischen Landstrassen unterwegs zu sein und kilotmeterweise weder ein anderes Auto noch ein Haus zu entdecken. Dafür durchquerte ich wunderschöne Wälder, kam an spiegelglatten Seen vorbei und traf sogar eine Rentierherde mitten auf der Strasse. Als erstes besuchte ich Gammelstad. Dabei handelt es sich um die alte Stadt, welche sich um die Kirche gebildet hat, damit die Menschen vom Land am Wochenende in der Nähe der Kirche übernachten konnten. In Gammelstad gab es auch ein kleines Freilichtmusuem, welches den Lebensstandard vor einigen hundert Jahren aufzeigt. Ich genoss es in vollen Zügen endlich wieder einmal Tourist sein zu dürfen, voller Neugier durch die schmalen Gassen zu schlendern und dabei immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Freilauf der Huskies am Morgen
Rentierherde mitten auf der Strasse
Altes Bauernhaus in Gammelstad

Später machte ich in einen Abstecher in die Stadt Luleå und stand nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder einmal am Meer. Ich spürte die leichte Meeresbrise im Gesicht, schmeckte das Salz auf meinen Lippen und war zufrieden mit mir und der Welt.

Doch dann traf es mich wie ein Blitzschlag. Vadim wollte seit Monaten wieder einmal ans Meer, die Wellen ans Ufer plätschern hören und den Weitblick geniessen. Doch der Corona-Wahnsinn der letzten Zeit hat uns davon abgehalten uns diesen Traum zu erfüllen, denn wir dachten ja das wir noch soooo viel Zeit haben.

Und nun stehe ich allein am Meer, denke an Vadim und fühle wieder dieses enorme Loch in mir. Dieses Loch, das manchmal alles in und um mich herum zu verschlucken droht. Diese Dunkelheit, die sich immer wieder über mich legt und gegen die ich in solchen Momenten absolut gar nichts tun kann.

Klar, ich habe in den vergangenen Wochen gelernt wieder ins Leben rauszugehen, die schönen Dinge in meinem Alltag zu entdecken und für die kleinen Freuden dankbar zu sein. Meine Trauer hat begonnen sich zu verwandeln. Sie ist nicht mehr eine zähe dunkle Masse, die alles überdeckt, erdrückt und jegliche Bewegung verhindert. Sie ist heute ein bittersüsses Gefühl in meiner Brust. Immer wenn ich ein schönes Erlebnis geniessen darf, empfinde ich diese süssen Emotionen von Freude und Zufrieden. Gleichzeitig schmecke ich aber auch diesen bitteren Beigeschmack von Enttäuschung, Wut und Bedauern im Mund. Ich bin enttäuscht, dass ich all meine Erlebnisse nur noch meinem Umfeld erzählen, aber nicht mehr mit Vadim teilen kann. Ich bin wütend, weil ich keinen einzigen solchen Moment mehr mit ihm gemeinsam erleben werde. Und eine kleine, leise Stimme in meinem Kopf fragt sich in solchen Momenten jeweils, ob ich jemals wieder einfach Lachen kann ohne sofort eine zweite Emotion wie Trauer, Wut oder Bedauern zu spüren.

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