Trauer-Weg-Blog

Meine persönliche Reise zurück ins Leben

Ein halbes Jahr

«Wir haben Vadim tot in seinem Bett gefunden.» - Das war der Satz, der vor einem halben Jahr meine komplette Welt zum Einstürzen gebracht hat. Innerhalb von Sekundenbruchteilen, war nichts mehr so, wie es einmal war. Auf diese acht Worte folgten 26 Wochen voller Tränen, Verzweiflung, Wut und innerer Kämpfe, aber auch voller neuer Ideen, Hoffnungen und Lichtschimmer am Horizont. Seither bin ich an 184 Tagen aufgewacht und habe mir so oft gewünscht, dass es nur ein Albtraum war, dass wenn ich meine Hand nach links ausstrecke, ich Vadims Wärme wieder spüren würde. Unzählige Male hat mich die Kraft weiterzumachen verlassen und genau so oft, habe ich Vadims Anwesenheit gespürt und gemerkt, dass es einen Weg gibt, wie ich ohne ihn weiterleben kann.

Herbstlandschaft in schwedisch Lappland

Dieses Jahr ist der 23.September für mich ein spezieller Tag, denn heute ist Vadims Tod genau ein halbes Jahr her. In den letzten Tagen hatte mein System immer wieder vermehrt rebelliert und mir deutlich zu verstehen gegeben, dass ich zwar auf meinem Weg bin, ich aber mein Tempo etwas drosseln darf, denn die Trauer will gesehen und gefühlt werden.
In den vergangenen Tagen hatte ich unzählig Flashbacks von den letzten gemeinsamen Stunden, die ich mit Vadim verbringen durfte. Am letzten gemeinsamen Samstagaben hatte Vadim für mich gekocht und wir hatten eng aneinander gekuschelt einen Film geschaut; «Alles eine Frage der Zeit». In dieser Story kann der Hauptdarsteller durch die Zeit reisen und so seinen Dad auch nach dessen Tod immer wieder besuchen. - Was würde ich darum geben, genau diese Zeitreise-Fähigkeit zu besitzen und so Vadim wenigstens noch ein einziges Mal in meine Arme schliessen zu dürfen. Doch mir bleibt nur die Erinnerung…

Und schon lande ich gedanklich wieder bei unseren letzten gemeinsamen Stunden. Am Sonntag vor Vadims Tod haben wir miteinander Samen gepflanzt und unsere Wünsche für unsere gemeinsame Zukunft formuliert, denn unsere Beziehung sollte genau so wie die Blumen aufblühen. Vielleicht ist es Ironie des Schicksals, dass genau diese Blumen im Frühling wunderschön geblüht haben, vielleicht ist es ein Zeichen von Vadim, dass er immer noch bei mir ist.
Beim Pflanzen hatten wir unseren Song gehört. Als ich «Incredible» von James TW diese Woche wieder hörte, standen mir sofort die Tränen in den Augen. Eigentlich sind diese Heulattacken völlig in Ordnung, denn jede Träne heilt und doch ist es für mich gerade unglaublich anstrengend emotional so instabil zu sein. Ich fühle mich zurückgeschleudert in die Tage direkt nach Vadims Tod, denn so viele der damaligen Gedanken kommen wieder hoch. Das führt dazu, dass ich wütend über mich selber und auch enttäuscht bin, weil es mir das Gefühl gibt, dass meine ganze Trauerarbeit offensichtlich nichts gebracht hat, weil gerade alles wieder aufploppt.

Doch STOPP! Es stimmt zwar, dass die Trauer in den letzten Tagen vermehrt wieder hochgekommen ist, doch die Trauer hat sich verändert. Sie ist nicht mehr meine Feindin, die mich in der Dunkelheit zu ersticken droht. Die Trauer ist mittlerweile eine gute Bekannte geworden. Manchmal mag ich es, dass sie mich besucht, weil sie wunderschöne Erinnerungen mitbringt, manchmal geht sie mir aber auch gehörig auf die Nerven, weil ich mich gefühlt im Kreis drehe. Und doch hat sie mein Leben auf ihre ganz eigene Art bereichert und mir wird langsam klar, dass ich in ihr eine treue Begleiterin habe, die mich vermutlich für immer begeleiten wird.

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