Trauer-Weg-Blog

Meine persönliche Reise zurück ins Leben

Grenzen im Kopf

Mein Umfeld fand es eine super Idee, als ich verkündete, dass ich mir im Sommer eine Auszeit in Schweden gönne. Nun ist der Sommer fast zu Ende und meine Mitmenschen in Schweden und Zuhause möchten von mir wissen «Wann kommst du nach Hause?», «Hast du schon wieder eine Stelle als Primarlehrerin?» oder «Was sind deine Pläne für die Zukunft?».

Nördlicher Polarkreis bei Jokkmokk

Meine Antwort ist dreimal ein grosses NEIN.
Nein, ich komme noch nicht nach Hause.
Nein, ich habe noch keine neue Stelle.
Und nein, ich habe auch noch keine Pläne für die Zukunft.

Ich möchte die Welt bereisen, neue Erfahrungen sammeln, meinen Horizont erweitern und mich vom Leben treiben lassen. Ich möchte mir meinen Jugend-Traum erfüllen und ziellos, dafür voller Neugier andere Länder erkunden, neue Menschen treffen, fremde Kulturen erleben. Aber vor allem möchte ich einmal völlig planlos leben, dafür aber frei atmen können abseits von gesellschaftlichen Vorstellungen wie meine Trauer oder mein Umgang mit Vadims Tod auszusehen hat.

Diese Freiheit gönne ich mir jetzt. Ich erlaube mir, jeden Tag zu nehmen, wie er kommt und gespannt zu schauen, wohin der Fluss des Lebens mich treibt. Ich freue mich darauf, meinen Impulsen zu folgen und meinem Bauchgefühl zu vertrauen.

Klar, die Angst vor der Unsicherheit und vor dieser ungeplanten Reise ist immer noch da. Klar, mein System rebelliert und es fühlt sich wie eine Grenze in meinem Kopf an. Es ist eine Schranke, die vermutlich auch viele andere Menschen kennen, denn die Reaktionen des Aussens zeigen mir deutlich, dass es sich um gesellschaftliche Konditionierungen handelt. Viele Menschen um mich herum, reagieren mit Ungläubigkeit oder gar Unverständnis auf mein zielloses Reisevorhaben ohne Enddatum. Wahrscheinlich halten mich einige für verrückt. Und vermutlich stimmt das auch, denn seit Vadims Tod sind meine Wahrnehmung und meine Prioritäten ver-rückt. Dinge, die ich früher als überlebenswichtig eingestuft hätte, haben komplett an Bedeutung verloren, dafür sind andere Werte in den Vordergrund gerückt. Seit Vadims Tod sehe ich viele Dinge klarer und kann deutlich spüren, was ich will, was mir wichtig ist und was mir gut tut. Und deshalb ist mir mittlerweile auch ziemlich egal, ob mein Reisevorhaben gesellschaftlich gesehen eine Inspiration oder ein No-Go ist. Es ist für mich nicht mehr relevant dem gesellschaftlichen Mainstream zu entsprechen. Deshalb ist es für mich an der Zeit, meine Grenzen in meinem Kopf zu sprengen. Ich bin bereit, diesen scheinbar unsicheren Weg zu gehen, Schritt für Schritt, Tag für Tag, auch wenn ich nicht weiss, was mich hinter der nächsten Kurve erwartet.

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