Trauer-Weg-Blog

Meine persönliche Reise zurück ins Leben

Sterne in der Dunkelheit

Ein schüchternes "Wie geht es dir"?, gefolgt von einem scheuen Versuch mit mir Augenkontakt aufzunehmen, bevor der Blick schnell auf den Fussboden vor mir gerichtet wird. So beginnen momentan die meisten Konversationen. Ich freue mich, wenn sich meine Mitmenschen für meine aktuelle Befindlichkeit interessieren und gleichzeitig bin ich mit dieser Frage momentan völlig überfordert...

Dunkler Nachthimmel mit Sternen übersätt.

Wie geht es mir? - Ganz ehrlich, ich weiss es nicht so genau...

... Manchmal ist da einfach Leere, ein grosses, weites Nichts. In diesen Momenten schaffe ich es nicht einmal mich vom Sofa zu erheben und einen Spaziergang zu machen.

... Dann gibt es Phasen in denen tausend Gefühle auf mich einstürzen.
  • Trauer, Verzweiflung, Hilflosigkeit, Wut, Sinnlosigkeit, Schmerz, Aussichtslosigkeit, Perspektivlosigkeit
  • und gleichzeitig auch wundervolle Erinnderungen an unsere gemeinsame Zeit sowie die leise Hoffnung auf einen Neuanfang

Diese Momente überfordern mich, weil ich mich dann wie ein Ping-Pong-Ball von einer Emotion in die nächste Emotion geschleudert fühle.

... Manchmal versuche ich einen Blick nach vorne zu waagen. Meistens fühle ich mich dann innert Sekunden in komplette Dunkelheit gehüllt. Vadim war mein Fels in der Brandung. Er war mein Licht, wenn ich nicht mehr weiter wusste. Und genau dieses Licht ist nun erloschen. Jetzt bin ich von schwarzer Finsternis umgeben. Es ist so dunkel, dass ich nicht einmal mehr weiss, wo oben und wo unten, wo links und rechts, hinten und vorne ist. Das sind für mich die frustrierendsten Momente, denn ich möchte gerne jeden Tag wenigstens einen kleinen Schritt zurück in mein Leben machen. Doch wie soll ich den Weg finden, wenn mir die Orientierung fehlt und ich keine Ahnung habe, in welche Richtung ich gehen soll?

Und plötzlich tauchen aus der Dunkelheit kleine Sterne auf. Sie sind kaum sichtbar, denn ihr Leuchten ist noch ganz schwach. Je mehr ich mir jedoch erlaube, mich auf sie zu konzentriere, desto strahlender und grösser werden sie.
Für mich sind diese kleinen Sterne blühende Bäume ... Menschen, die in Mitgefühl an mich denken ... Sonnenschein ... Erinnerungen an Vadim ... eine Feder am Wegrand ... farbige Blumen ... Krafttiere ... ein gutes Gespräch ... Vadims Lieblingsessen ... ein Spaziergang ...
All diese kleinen Sterne ergeben zusammen ein Sternbild, welches mir den Weg zurück ins Leben weisst. Nun liegt es an mir, das Flackern der kleinen Sterne wahrzunehmen, sie zu einem Sternbild zusammenzusetzen und vertrauensvoll der angezeigten Richtung zu folgen.

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