Trauer-Weg-Blog

Meine persönliche Reise zurück ins Leben

Trigger-Gefahr

Meine Rolle als Gästebetreuerin auf der Huskyfarm beinhaltet natürlich auch den Austausch mit den Touristen. Es ist meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass sich die Gäste bei uns wohl fühlen und eine wunderbare Zeit erleben.
Doch wie soll ich mich verhalten, wenn vor mir plötzlich ein frischverliebtes Pärchen sitzt, welches mich an die verlängerten Weekend-Trips mit Vadim erinnert?

Ein schmaler Pfad in der herbstlandschaft in schwedisch Lappland

Ich hatte mich entschieden, den Sommer in Schweden zu verbringen, um Abstand zu gewinnen. Durch meine Reise konnte ich tatsächlich räumliche Distanz schaffen und dies tat mir unglaublich gut. Gleichzeitig ist Vadims Tod für mich auch in Schweden immer wieder ein Thema, denn meine Gedanken und Gefühle begleiten mich auf dieser Reise.

Und so gab es immer wieder Situationen, die mich in meiner Trauer getriggert haben. Denn wie soll ich darauf reagieren, wenn eine junge Familie mit zwei süssen vier- und fünfjährigen Kindern eine Woche bei uns verbringt, und mir immer wieder durch den Kopf geht, dass genau dieses glückliche Familienleben mein gemeinsamer Traum mit Vadim war? Oder wie soll ich die Tochter der Farm-Inhaber trösten, nachdem einer der alten Hunde eingeschläfert werden musste? Wie soll ich in diesem Moment die starke Schulter sein, wenn bei mir Vadims Tod noch eine frische Narbe ist?

In diesen Situationen gibt es genau zwei Möglichkeiten:
Entweder du verfluchst dein Leben, regst dich auf und beklagst dich, dass dir das Schicksal das Thema Tod wieder einmal vor die Füsse spuckt. Du gehst in den Widerstand und steigerst dadurch deinen Schmerz in unermessliches Leid.
Oder du bedankst dich bei deinem Leben, nimmst diese Trigger an und beginnst mit ihnen zu arbeiten, so dass deine Wunden langsam verheilen können.
Ich habe mich für letztere Variante entschieden und deshalb immer wieder versucht diese Trigger als Geschenk zu betrachten. Klar, dieser Weg beinhaltet, dass ich mich für einen kurzen Moment der Dunkelheit und dem Schmerz in mir stellen muss. Wenn es mir gelingt, mich ohne Widerstand und ohne Drama diesen Emotionen zu öffnen, entsteht kein Leid, sondern es fühlte sich wie eine grosse Welle an. Sie bricht über mir zusammen und ich im ersten Moment habe Angst darin zu ertrinken. Doch genauso schnell, wie die Welle kommt, flacht sie wieder ab, verebbt schliesslich vollkommen und nimmt den Schmerz mit sich mit.

Gegen Ende der Sommersaison realisierte ich plötzlich, dass ich schon viele junge Pärchen beim Frühstück bedient hatte und es für mich nicht mehr schmerzhaft ist ein glückliches Paar zu sehen. Plötzlich merkte ich, dass ich gemeinsam mit der Tochter der Farm überlegen kann, welche anderen Hunde wohl den soeben verstorbenen Vierbeiner im Hundehimmel erwarten und wie dabei ein feines Lächeln um meine Lippen spielt. Plötzlich stellte ich fest, dass es eine nette junge Familie ist und ich es ihnen aus ganzem Herzen gönne, dass sie diesen Traum leben dürfen. Und plötzlich wird es zu einer Möglichkeit, dass sich mein Wunsch einer eigenen Familie vielleicht doch irgendwann erfüllen wird, wenn auch nicht mit Vadim an meiner Seite...

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