Trauer-Weg-Blog

Meine persönliche Reise zurück ins Leben

Wie es einmal war

In den vergangenen Tagen hatte ich Besuch von zwei Freundinnen aus der Schweiz. Bereits im Vorfeld hatte ich mich riesig darauf gefreut, endlich wieder einmal Zeit mit bekannten Gesichtern zu verbringen. Ich hatte mir erhofft, dass sich durch diesen Besuch bei mir das beruhigende Gefühl von «wie es einmal war» einstellt und wir genau dort weitermachen könnten, wo wir im vergangenen Sommer aufgehört hatten, als ich für meine Reise aufbrach. Und so schön die letzten Tage auch waren, so haben sie mir doch deutlich vor Augen geführt, dass ich nach meiner Rückkehr in die Schweiz nicht so ohne Weiteres zur normalen Tagesordnung werde übergehen können. Seit Vadims Tod und besonders auf meiner Reise ist sooooooo viel passiert, so dass ich mich grundlegend verändert habe.

Abendstimmung im Teide Nationalpark

Im vergangenen März ist ein Teil von mir mit Vadim gestorben -jener Teil, der sich unsere gemeinsame Zukunft in den buntesten Farben ausgemalt hatte, so dass ich all meine Handlungen auf unsere gemeinsamen Träume ausgerichtet hatte.
Ein weiterer meiner Teile habe ich während meiner Reise bewusst sterben lassen – jener Teil, der glaubte, dass ich nur mit Vadim an meiner Seite glücklich sein könnte.
Gleichzeitig durfte ich unterwegs neue Teile entdecken, zu denen ich vorher noch keinen Zugang hatte – jene Teile, die mutig und abenteuerlustig sind, die sich ihren Schatten stellen, denen der Mainstream egal ist, die einen neuen, grösseren Traum kreiert haben und diesen leben wollen.

Für meine baldige Rückkehr in die Schweiz bedeutet dies, dass ich jede meiner bisherigen Freundschaften überdenken darf. Und das gilt genauso für mein Gegenüber, denn jene Mirjam, die mein Umfeld gekannt hatte, existiert nicht mehr. Folglich verändert sich auch die Art und Weise, wie ich mit meinen Mitmenschen interagiere, so dass vielleicht nicht mehr alle meine Freunde und Bekannten meinen Weg verstehen können oder mitverfolgen wollen.

Vor diesen bevorstehenden Veränderungen habe ich grossen Respekt, denn ein Teil in mir wünscht sich so sehr, dass die Dinge wieder so werden, wie sie einmal waren. Ich will Vadim zurück, ich will mein gewohntes Umfeld zurück, ich will mein altes Leben zurück. Und so stehe ich immer wieder kurz davor aufzugeben und alles in die Ecke zu schmeissen, weil es ohne Vadim keinen Sinn macht. Doch genau in diesen Momenten spüre ich Vadim am deutlichsten bei mir. Ich höre ihn sagen; «Hey Bibeli, du kannst das. Geh Schritt für Schritt weiter. Ich stehe immer hinter dir und unterstütze dich.» Und so wird mir klar, dass KEIN Weg in mein altes Leben zurückführt. Vadims Tod und meine Entscheidung auf unbestimmte Zeit auf Reisen zu gehen, haben so viel in meiner Innenwelt bewirkt, so viel Veränderung angestossen, so viele neue Perspektiven eröffnet, dass die Tür in mein altes Leben ein für alle Mal verschlossen wurde. Es wird NIE wieder so sein, wie es noch vor einem Jahr war. Dadurch wird der romantisch-kitschige Satz «Ich würde für dich sterben» allmählich zu einem neuen Versprechen an Vadim und an vor allem auch an mich selbst «Ich werde für dich leben!» - auch wenn es bedeutet, alles Alte loszulassen und einen kompletten Neustart zu wagen.

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